Der VBG Podcast zum Arbeitsschutz
Frank Beschorner: Es gibt ganz oft auch Situationen, wo die Unternehmen auch uns anrufen, also wenn man einmal im Unternehmen gewesen ist und sie haben uns als gute Berater wahrgenommen, dann rufen die uns an und sagen wir haben eine neue Anlage, wir wollen eine neue Anlage planen wir wollen neue Gefahrstoffe verwenden. Unterstützt uns mal, was können wir tun, damit wir das so gut wie möglich machen können, damit nichts passiert.
Markus Raupach: Hör dich sicher der VBG Podcast zum Arbeitsschutz. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Hör dich sicher. Der Podcast der VBG Richtig um Arbeitsschutz, Gesundheit und Prävention. Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen einer spannenden Tä der Arbeit der Aufsichtspersonen. Sie beraten, unterstützen und sorgen dafür, dass Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz nicht nur Theorie, sondern gelebte Praxis sind. Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Wie kommt der Kontakt zu den Betrieben zustande und was macht die Arbeit so besonders? Darüber spreche ich heute mit Nina Cuntz und Frank Beschorner. Erstmal schön, dass ihr beide da seid. Nina, mach doch mal den Anfang. Wie bist du denn überhaupt zu dieser Tätigkeit gekommen und stell dich doch mal bitte kurz vor.
Nina Cuntz: Hallo Markus, vielen Dank, dass wir heute dabei sein dürfen. Ich heiße Nina Cuntz, bin seit 2013 bei der VBG, habe davor irgendwann mal Verfahren und Umwelttechnik studiert und bin Aufsichtsperson in der Bezirksverwaltung Ludwigsburg. Und zusätzlich bin ich noch im Sachgebiet tätig für Bühnen und Studios.
Markus Raupach: Wow, ganz schön umfangreich. Frank wie schaut es denn bei dir aus?
Frank Beschorner: Mein Name ist Frank Beschroner, ich habe auch Verfahrenstechnik studiert und habe einen Abschluss in Automatisierungstechnik. Und nach dem Studium habe ich mehrere Jahre im Umweltanlagenbau gearbeitet. Aber dann hat es mich bereits schon im letzten Jahrtausend zur Berufsgenossenschaft verschlagen. Nach dem Wechsel zur Berufsgenossenschaft habe ich die Prüfung zur Aufsichtsperson gemacht und bin auch seit 1997 als Aufsichtsperson tätig. Mein Schwerpunkt liegt insbesondere bei den Einwirkungen von Stäuben und Anlagen und Verfahren der keramischen und Glasindustrie.
Markus Raupach: Das klingt ja einerseits schon sehr speziell, andererseits natürlich auch ein ganz allgemein wichtiges Thema. Wenn ihr jetzt jemandem, der noch nie was davon gehört hat, erklären müsstet, was eine Aufsichtsperson genau macht, wie würdet ihr denn den Job so in einem Satz beschreiben?
Nina Cuntz: Ziemlich schwierig in einem Satz. Eine Aufsichtsperson sorgt für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, indem sie überwacht, berät und schult. Also wir beurteilen die Sicherheit von einzelnen Tätigkeiten sowie von Maschinen und Anlagen, untersuchen teilweise Arbeitsunfälle, ermitteln Berufskrankheiten und überwachen die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften im Unternehmen.
Markus Raupach: Magst du noch was ergänzen, Frank
Frank Beschorner: Also für meine tägliche Arbeit steht wie für alle anderen Aufsichtspersonen der 1 vom SGB VII. Im Mittelpunkt. Und jetzt zitiere ich Hier wird eben mit allen geeigneten Mitteln gefordert, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten.
Markus Raupach: Also ein Gesetzestext, der ganz klar vorschreibt, was passieren soll. Trotzdem ist so ein bisschen die Frage des Wie. Nina Wenn wir mal den typischen Arbeitsalltag uns anschauen oder den typischen Arbeitstag, wenn es sowas überhaupt gibt, wie schaut es denn bei dir aus?
Nina Cuntz: Den gibt es ganz klar überhaupt nicht im typischen Arbeitsalltag. Mal ist mal im Außendienst, mal erledigt man im Büro die dazugehörigen Dokumentationen wie Termine vereinbaren, Revisionsberichte schreiben. Ab und zu ist man auch in unseren schönen Akademien als Dozent tätig und gibt Seminare. Ich vertrete zum Beispiel auch ab und an die VBG auf Messen und arbeite in Präventionsschriften für das Sachgebiet mit.
Markus Raupach: Und wie ist es bei dir, Frank? Ähnlich oder hast du andere Schwerpunkte?
Frank Beschorner: Wir haben im Grunde genommen immer die gleichen Schwerpunkte, aber was jetzt auf jeden Fall noch dazu kommt, sind die Ermittlungen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Besonderer Schwerpunkt liegt natürlich auf der Ermittlung der Unfallursachen, damit wir im Anschluss nach der Ermittlung festlegen können, welche Maßnahmen zu treffen sind, damit eben diese Unfälle nicht mehr passieren oder bei den Einwirkungen von Berufskrankheiten, nachdem die ermittelt wurden, Maßnahmen festzulegen, dass zukünftig die Einwirkungen andere Mitarbeiter nicht mehr treffen können. Die Ermittlungen von Einwirkungen für Berufskrankheiten sind besonders schwierig, da die eigentlichen Zeiten, wo die Ereignisse stattgefunden haben, viele Jahre zurückliegen und die Menschen dann erst viel später krank werden. Zum Beispiel bei der Asbeststaub Lungenerkrankung liegen die Einwirkungen zum Teil 30 40 Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit.
Markus Raupach: Ermitteln ist ja ein spannendes Wort. Das klingt ja so ein bisschen nach Detektiv oder Tatort oder so. Und es geht natürlich dann auch über eine gewisse Zeit und braucht auch viel Gründlichkeit. Dafür braucht man natürlich dann auch noch Befugnisse. Was dürft ihr denn als Aufsichtspersonen oder wo liegen denn eure Befugnisse?
Nina Cuntz: Also unsere hoheitlichen Rechte sozusagen sind im SGB VII geregelt. Wir sind berechtigt, bei Gefahr im Verzug sofort vollziehbare Anordnung zur Abwendung von arbeitsbedingten Gefahren für Leben und Gesundheit zu treffen. Wir können auch Arbeiten einstellen lassen oder im Härtefall sogar einen Betrieb stilllegen.
Markus Raupach: Boah, das klingt natürlich krass. Gibt es da vielleicht ein Beispiel? Und hast du schon mal einen Betrieb stillgelegt?
Nina Cuntz: Also einen Betrieb habe ich noch nicht stillgelegt. Zum Glück möchte, glaube ich, keine Aufsichtsperson. Aber Arbeiten einstellen lassen habe ich schon gemacht. Das war bei einer Begehung im Außendienst, als ich eine Fremdfirma am Dach gesehen habe, die Arbeiten ohne Absturzsicherung ausgeführt hat.
Markus Raupach: Das ist natürlich krass. Und da leuchtet dann die innere Warnleuchte sozusagen sofort auf. Wie ist es bei dir, Frank? Was hast du da schon erlebt?
Frank Beschorner: Ja, ich habe wirklich schon mal einen Betrieb stillgelegt. Das klingt aber deutlich spektakulärer, als es am Ende war. Wir haben halt im Rahmen einer gemeinsamen Unfalluntersuchung gemeinsam mit der Gewerbeaufsicht festgestellt, dass da unheimlich viele Mängel im Unternehmen waren und dann gab man immer das Hölzchen zum Stöckchen. Am Ende waren so viele Mängel da, dass allen klar wäre, dass der Betrieb nicht weitergehen kann. Im Grunde genommen habe ich dann mit dem Unternehmer ein Vier Augen Gespräch erstmal geführt und habe dann versucht, ihm die Sache noch mal ganz klein darzulegen. Und als wir dann wieder in einer großen Runde waren, war dann das überhaupt nicht mehr schwierig für den Unternehmer. Er hat einfach okay, er hat das jetzt verstanden, er macht das jetzt alles und wenn es wieder in Ordnung ist, dann gibt er uns Bescheid und dann kann der Betrieb wieder aufgenommen werden. Aber bis dahin war eben der Weiterbetrieb der Anlage untersagt.
Markus Raupach: Das ist schon eine drastische Maßnahme für den Betrieb. Ich habe auch gelesen, dass sogar Bußgelder verhängt werden können. Kommt sowas häufiger vor?
Frank Beschorner: Bußgelder sind für die Aufsichtsperson sicherlich ein Mittel, aber nicht das Mittel der Wahl. Im Grunde genommen muss vor dem Bußgeld eine richtig gute, intensive Beratung stehen, die den Unternehmer dazu bringt, Maßnahmen abzuleiten, dass eben diese Gefährdungen für die Beschäftigten nicht mehr vorhanden sind. Das ist die essentielle Aufgabe einer guten Aufsichtsperson, die Unternehmen gut zu beraten.
Markus Raupach: Wie kann ich mir das dann genau vorstellen? Also kommt man als Unternehmen mit einer Aufsichtsperson normalerweise überhaupt in Kontakt oder kommt ihr einfach vorbei oder ruft man euch an oder steht ihr dann irgendwann vor der Tür? Wie schaut das aus?
Nina Cuntz: Beides eigentlich. Also zum Teil rufen uns auch wirklich die Unternehmen an und möchten eine Beratung vor Ort. Teilweise machen wir auch einen Termin und teilweise kommen wir aber auch unangekündigt. Natürlich ist der Vorteil, wenn wir mit Terminen kommen, dass auch wirklich Anspruch Ansprechpartner da sind und auch Zeit haben. Manchmal fallen aber auch Termine kurzfristig aus oder werden abgesagt wegen Krankheit. Dann sucht man sich doch Ad hoc Termine raus in der Nähe oder Betriebe in der Nähe raus. Das Problem ist einfach, dass da manchmal kein Ansprechpartner dann anwesend ist. Vor allen Dingen in Zeiten von Homeoffice
Markus Raupach: stelle ich mir durchaus wirklich schwierig vor. Also wenn ich auf der einen Seite jemanden habe, der da kommt und mir im schlimmsten Fall ein Bußgeld verhängen oder den Laden zumachen kann, aber auf der anderen Seite ich natürlich auch Interesse daran habe, eben Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz zu beachten. Wie ist es denn in eurem Leben? Frank Passieren solche Termine, dass ihr dann dahin kommt dann schon anlassbezogen aufgrund von ganz konkreten Dingen oder habt ihr dann so einen Plan, wann man wohin geht? Wie muss ich mir das vorstellen?
Frank Beschorner: Zwei wichtige Anlässe habe ich ja schon genannt. Das sind die Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, wo wir ermitteln müssen. Und da müssen die Menschen ja da sein, die Ahnung haben von der Einwirkung von dem Unfallgeschehen oder von den Tätigkeiten, die die Mitarbeiter gemacht haben, wo sie jetzt diese Krankheit bekommen haben. Aber es gibt ganz oft auch Situationen, wo die Unternehmen uns anrufen. Also wenn man einmal im Unternehmen gewesen ist und die haben uns dann als gute Berater wahrgenommen, dann werden wir auch angerufen. Also rufen die uns an. Wir haben eine neue Anlage, wir wollen eine neue Anlage bauen oder planen, wir wollen neue Gefahrstoffe verwenden. Unterstützt uns mal. Was können wir tun, damit wir das so gut wie möglich machen können, dass einem nichts passiert.
Markus Raupach: Es geht also nicht unbedingt immer nur um Kontrolle, sondern eher um eine Begleitung, um eine Beratung und wahrscheinlich da dann eher eine Unterstützung für das Unternehmen. Nina Wie ist das denn bei dir vom Verhältnis her zwischen Beratung und Kontrolle? Wo würdest du das einordnen?
Nina Cuntz: Also klar, so wie der Frank schon gesagt hat, wir stehen natürlich auch als Berater da und unterstützen die Unternehmen bei der Ausführung. Aber im Vordergrund steht auf jeden Fall die Kontrollüberwachung in den Unternehmen.
Markus Raupach: Frank, du hast ja gesagt, dass Betriebe auch öfters mal auf dich zukommen. Was sind denn so typische Fragen, die die dann stellen, wenn sie eure Expertise brauchen?
Frank Beschorner: Das ist eigentlich das richtig Schöne an unserem Job. Das ist der ganze bunte Blumenstrauß des Arbeitsschutzes, den es so gibt. Man weiß morgens nie so genau, was man am ganzen Tag über telefonisch angefragt wird, wo man dann auch selber erstmal nachschlagen muss und nachgucken muss, was denn die richtige und praktisch funktionierende Antwort ist. In letzter Zeit werde ich ganz oft auch zu psychischen Belastungen angerufen. Die VBG hat jetzt ein neues Werkzeug zur Ermittlung zum Beispiel von Belastungen bei Schichtarbeit, das VBG Schlaf Meter. Mit diesem Werkzeug können Schichtarbeiten unterstützt werden, dass sie eben vor und danach der Schichtarbeit richtig schlafen oder sich richtig ernähren oder richtig bewegen können.
Nina Cuntz: Ich kann nur ergänzen, dass auch Erste Hilfe, Brandschutz, Gesundheitsförderung teilweise oft angefragt werden, bei mir jetzt auch bei einem Aufbau einer Veranstaltung, weil da halt doch ziemlich ein Zeitdruck herrscht bei den Beschäftigten. Was kann man da dagegen tun oder wie kann man da viel unterstützen?
Markus Raupach: Also viel Abwechslung, aber auch viel Verantwortung. Nina, Was würdest du sagen, was motiviert dich?
Nina Cuntz: Ich glaube vor allen Dingen, man hilft den Versicherten präventiv, also dass jeder Versicherte gesund von der Arbeit wieder nach Hause gehen kann und das Miteinander mit den Unternehmen ist mir zusätzlich wichtig.
Markus Raupach: Das habe ich beim Frank ja auch ein bisschen rausgehört. Würdest du sagen, das gehört auf jeden Fall zu den Punkten, die dich antreiben und immer jeden Morgen wieder neu losziehen lassen als Aufsichtsperson?
Frank Beschorner: Ja, für mich steht der Mensch im Mittelpunkt. Für mich ist es wichtig, dass die Unternehmen wirtschaftlich produzieren können und dabei aber die Gesundheit der Mitarbeiter nicht aus dem Auge verlieren, sondern die Sicherheit und Gesundheit muss gewährleistet sein.
[11:04] Markus Raupach: Vielen Dank euch beiden für diesen spannenden Einblick in eure Arbeit und dafür, dass ihr gezeigt habt, mit wie viel Engagement, Erfahrung und Herzblut ihr dabei seid. Im Grunde geht es also eher um Augenhöhe und Beratung anstatt um Kontrolle und vielleicht sogar eben Maßnahmen wie eine Stilllegung. Wer noch mehr über die Arbeit der Aufsichtsrat erfahren will oder vielleicht sogar Kontakt aufnehmen möchte, kann das auf der VBG Homepage tun. Rechts unten im Eck gibt es ein Kontaktfeld, da gibt man die Postleitzahl ein, kommt zur Bezirksverwaltung und dann ist es immer die Durchwahl der Prävention 222. Ja, das war Hör dich sicher. Ich bin Markus Raupach. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge. Weitere Informationen erhalten sie unter der E-Mail Adresse podcastbg.de sowie in den Shownotes für jeden einzelnen Podcast.